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Amtseinführung des Präsidenten des Landgerichts Potsdam

Im Beisein zahlreicher Festgäste aus Politik, Justiz, Wirtschaft sowie aus Wissenschaft und Kunst fand am 4. November 2005 im Gebäude der IHK Potsdam die feierliche Amtseinführung des Präsidenten des Landgerichts Potsdam Christian Gaude statt.

Nach der Begrüßung der Gäste durch die Vorsitzende Richterin am Landgericht Gabriele Hertel wandte sich die Ministerin der Justiz Beate Blechinger zunächst an den vormaligen Präsidenten des Landgerichts Potsdam Hans-Jürgen Wende und dankte diesem für die vertrauensvolle Zusammenarbeit.  Seine Präsidentschaft sei durch hohe Professionalität, einen kollegialen Umgang und eine geradlinige und richtungweisende Art geprägt gewesen. Besonders würdigte die Ministerin das Engagement von Hans-Jürgen Wende im Zusammenhang mit der Ausstellung "Anwalt ohne Recht - Schicksale jüdischer Anwälte in Deutschland nach 1933."
In den neuen Präsidenten Christian Gaude setze sie große Hoffnungen, sagte die Ministerin.  Er sei als Organisationstalent bekannt und bringe viel Innovationsfreude mit. Sein bisheriges Wirken in Brandenburg sei häufig mit dem Auf- oder Ausbau von Gerichten und der Betreuung von Gerichtsneubauten verbunden gewesen. Fast sei man versucht zu sagen: Wo der Gaude gerade ein Gericht baut, wird er in Kürze wohl auf dem Chefstuhl sitzen.

Zunächst sei er - quasi von Kölsch zum Mineralwasser - von Köln nach Bad Liebenwerda aufgebrochen, um das dortige Kreisgericht wieder zu beleben. Spätere Stationen seien das Amt des Vizepräsidenten bei den Landgerichten Neuruppin und Potsdam, des Präsidenten des Landgerichts Neuruppin und des Präsidenten des Landgerichts Frankfurt (Oder) gewesen, bevor er nunmehr nach Potsdam zurückgekehrt sei. Da die Jägertorkaserne in Potsdam möglichst schon bis zum Jahr 2007 zu einem modernen Justizzentrum um- und ausgebaut werden solle, komme der Wechsel von Christian Gaude an die Verwaltungsspitze des Landgerichts zum richtigen Zeitpunkt.

In Zeiten der Mittelknappheit seien Führungskräfte mit ausgeprägtem praktischen Geschick, sozialer Kompetenz und kenntnisreichem Weitblick besonders vonnöten. Die Fähigkeiten des neuen Präsidenten Christian Gaude seien daher für diese Aufbauzeit nicht nur gefragt, sondern in einer modernen, weitgehend effizient arbeitenden Justiz geradezu unerlässlich.

Der Präsident des Oberlandesgerichts Prof. Dr. Wolfgang Farke nutzte ebenfalls die Gelegenheit, dem vormaligen Präsidenten des Landgerichts Hans-Jürgen Wende für die gute Zusammenarbeit zu danken. Sie beide stammten aus Westfalen und hätten sich gegen die rheinländische Übermacht zur Wehr setzen müssen. Farke erinnerte an gemeinsame Tage im 13. Zivilsenat des OLG Hamm, dem sog. "Blechsenat", und am OLG Brandenburg, wo Wende als Vizepräsident gewirkt hatte, bevor er ans Landgericht Potsdam als Präsident wechselte. Er schätze den Rat von Hans-Jürgen Wende sehr und hoffe, diesen Rat auch in Zukunft dann und wann einholen zu können.

Den neuen Präsidenten Christian Gaude kenne er seit mehr als 13 Jahren, sagte Prof. Dr. Farke. Er habe immer wieder die Erfahrung gemacht, dass die Rheinländer selbst in ihrer verschärften Variante als Kölner - von ihrem Karneval einmal abgesehen - umgängliche Leute seien. Christian Gaude stamme eigentlich ohnehin aus Pommern - und die seien von ihrem Wesen her den Brandenburgern und den Westfalen nicht unähnlich: dickköpfig, geradlinig, stur und letztlich eine "ehrliche Haut". Auch Prof. Dr. Farke stellte das außergewöhnliche Organisationstalent des neuen Präsidenten in Potsdam heraus.

Der Ständige Vertreter des Leitenden Oberstaatsanwalts der Staatsanwaltschaft Potsdam, Oberstaatsanwalt Junker, betonte die gemeinsamen Aufgaben der beiden Organisationen - angefangen vom Laufbahnwechsel der Richter über gemeinsame Beurteilungsrichtlinien bis hin zu Fragen des Hausrechts im neuen Justizzentrum, in dem sowohl das Landgericht sowie Teile des Amtsgerichts als auch die Staatsanwaltschaft unterkommen werden.

Dagegen war in den folgenden Grußworten die (endgültige) Verankerung des neuen Präsidenten in der Stadt Potsdam Thema. Der Oberbürgermeister der Stadt Potsdam Jann Jakobs bot seine Hilfe bei der Suche nach einem geeigneten Haus in der Landeshauptstadt an (natürlich ganz legal), der Richterrat beim Landgericht Potsdam, vertreten durch den Richter am Landgericht Klaus Feldmann, verband seine Hoffnungen auf eine von Verständnis und Respekt geprägte, gute Zusammenarbeit mit der Überreichung eines bebilderten Gastronomieführers, der den Präsidenten kulinarisch auf das Land Brandenburg und Potsdam (weiter) neugierig machen soll.

Christian Gaude selbst betonte seine Freude darüber, dass das neue Justizzentrum mitten in der Stadt sei und die Staatsanwaltschaft und verschiedene Gerichte unter einem Dach vereinen werde. Die denkmalgeschützte Mauer, die das Justizzentrum von der Stadtverwaltung trenne, müsse im Hinblick auf eine geplante Zusammenarbeit in Sachen Bürgernähe unbedingt eine Tür bekommen.
Im Übrigen äußerte er seine Zuversicht, dass der elektronische Rechtsverkehr allen Unkenrufen zum Trotz auch in Brandenburg bald Einzug halten werde.  Als er Anfang der 90er Jahre mit seinem Vortrag „Die EDV und ich“ durchs Land gezogen sei, sei er auf große Skepsis gestoßen, während Prof. Dr. Farke mit seinem Vortrag "Das Berufsbeamtentum und ich" mit Applaus aufgenommen worden sei. Heute sei das computergestützte Arbeiten aus den Geschäftsstellen der Gerichte nicht mehr wegzudenken. Auf dem Weg zum elektronischen Rechtsverkehr werde Ende des Jahres zunächst das elektronische Grundbuch eingeführt; Mitte des neuen Jahres folge das elektronische Handelsregister. Der neue Präsident gab in diesem Zusammenhang eine Dienstanweisung zum Besten, die ihm sein damaliger Landgerichtspräsident Helmut Brannahl für die Arbeit in Bad Liebenwerda mit auf den Weg gegeben habe und die ihm bis zum heutigen Tage die liebste Dienstanweisung geblieben sei: Machen Sie, was Sie wollen, aber machen Sie was!

Zweiter Schwerpunkt der Dankesworte von Präsident Gaude war die private Zufriedenheit aller Mitarbeiter in der Justiz.  Nur wer sich in seinem privaten Umfeld wohl fühle, sei in der Lage, die hohen beruflichen Erwartungen, die die Gerichte zu Recht hätten, zu erfüllen. Es müsse daher zum Beispiel mit flexiblen Arbeitszeitmodellen daran gearbeitet werden, die private Zufriedenheit der Mitarbeiter zu erhöhen. Auch wenn man manchmal wenig tun könne, müsse dieses Wenige getan werden.

Den Schlusspunkt setzte das Blechbläserquintett des Landespolizeiorchesters mit der inoffiziellen Brandenburger Nationalhymne Steige hoch, du roter Adler, hoch über Sumpf und Sand, hoch über dunkle Kiefernwälder, hoch dir, mein Brandenburger Land!

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Datum:
01.12.2005
Autor:
RinLG Sabine Glocker

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